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Nach dem Krankenhaus: die ersten 72 Stunden zu Hause

Nach dem Krankenhaus sicher zu Hause ankommen: Planen Sie Unterlagen, Medikamente, Kontakte, Hilfsmittel und Alltagshilfe für die ersten 72 Stunden.

8/21/20264 min read

Reisetasche, Entlassmappe, Medikamententasche und Telefon für die Rückkehr nach Hause
Reisetasche, Entlassmappe, Medikamententasche und Telefon für die Rückkehr nach Hause

Die Entlassung aus dem Krankenhaus ist oft ein Wechsel unter Zeitdruck: Neue Medikamente, Kontrolltermine, Hilfsmittel und Unterstützung zu Hause müssen ineinandergreifen. Ein klarer Plan für die ersten 72 Stunden nach dem Krankenhaus hilft, Versorgungslücken früh zu erkennen und die pflegebedürftige Person sicher in den eigenen Alltag zurückzubringen.

Schon vor der Entlassung mit der Planung beginnen

Gesetzlich Versicherte haben im Krankenhaus Anspruch auf ein Entlassmanagement. Das Behandlungsteam erstellt bei Bedarf einen Entlassplan und unterstützt dabei, die Anschlussversorgung zu organisieren. Fragen Sie möglichst früh, wer den Plan koordiniert und wie der Sozialdienst erreichbar ist.

Klären Sie vor dem Entlassungstag, ob die Rückkehr nach Hause realistisch ist. Sind Bett, Bad und Wege sicher nutzbar? Können Mahlzeiten, Körperpflege und notwendige Fahrten organisiert werden? Benötigte Hilfsmittel sollten nicht erst bestellt werden, wenn die Person bereits vor der Haustür steht.

Diese Unterlagen gehören in die Entlassmappe

  • Entlassbrief oder vorläufige medizinische Informationen

  • aktueller Medikationsplan und verständliche Hinweise zu Änderungen

  • Rezepte und Verordnungen für die unmittelbare Weiterbehandlung

  • Termine oder Kontaktdaten der weiterbehandelnden Praxis

  • Informationen zu Wundversorgung, Hilfsmitteln oder häuslicher Krankenpflege

  • Ansprechpartner bei Rückfragen oder Komplikationen

  • bei Bedarf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Transportunterlagen

Prüfen Sie die Mappe noch im Krankenhaus auf Vollständigkeit. Unklare Abkürzungen, neue Dosierungen oder fehlende Ansprechpartner sollten vor der Abfahrt geklärt werden. Angehörige ändern medizinische Vorgaben nicht eigenständig.

Die ersten sechs Stunden zu Hause

  1. Ankommen ermöglichen: Einen ruhigen, gut beleuchteten Platz vorbereiten und unnötige Wege vermeiden.

  2. Unterlagen ablegen: Entlassmappe an einen vereinbarten Ort legen, ohne sensible Daten offen liegen zu lassen.

  3. Medikation abgleichen: Nur nach dem aktuellen Entlass- oder Medikationsplan vorgehen; alte Pläne getrennt aufbewahren oder als ungültig markieren.

  4. Erreichbarkeit sichern: Telefon aufladen und Hauptkontakt, Arztpraxis, Pflegedienst sowie weitere vereinbarte Stellen griffbereit halten.

  5. Grundversorgung prüfen: Getränke, eine passende Mahlzeit, Kleidung und notwendige Hygieneartikel bereitstellen.

Der erste Abend und die erste Nacht

Planen Sie den Abend bewusst ruhig. Legen Sie Wege zur Toilette frei, sorgen Sie für Licht und stellen Sie benötigte Hilfsmittel erreichbar bereit. Wenn die Person nicht allein bleiben kann oder darf, muss die nächtliche Unterstützung vorab geklärt sein.

Beobachten Sie nicht nach eigenen medizinischen Maßstäben, sondern orientieren Sie sich an den Entlasshinweisen: Welche Beschwerden wurden als erwartbar beschrieben, bei welchen Veränderungen soll eine Praxis oder Klinik kontaktiert werden? In einer akut lebensbedrohlichen Situation gilt der Notruf 112. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der üblichen Praxiszeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 eine mögliche Anlaufstelle. Ein vorbereiteter Notfallplan für die Pflege zu Hause hält Kontakte und notwendige Angaben griffbereit.

Tag eins: Anschlussversorgung bestätigen

Am ersten vollständigen Tag sollten alle vereinbarten Kontakte bestätigt sein. Weiß die Hausarzt- oder Facharztpraxis von der Entlassung? Liegen benötigte Medikamente tatsächlich vor? Sind Pflegedienst, Therapie oder Hilfsmittellieferung terminiert? Ein Häkchen auf einer kurzen Liste ist verlässlicher als die Annahme, jemand anderes habe bereits angerufen.

Krankenhausärztinnen und -ärzte können im Entlassmanagement bestimmte Leistungen für einen begrenzten Zeitraum verordnen. Häusliche Krankenpflege kann zum Beispiel für bis zu sieben Tage verordnet werden. Ob und was im Einzelfall erforderlich ist, wird medizinisch entschieden. Für eine längerfristige Versorgung braucht es rechtzeitig die Weiterbetreuung durch die zuständige Praxis.

Tag zwei: Alltag und Belastung realistisch prüfen

Nach der ersten Nacht zeigt sich oft, welche Unterstützung tatsächlich fehlt. Prüfen Sie gemeinsam:

  • Sind Aufstehen, Toilettengang und Wege in der Wohnung sicher möglich?

  • Wer organisiert Mahlzeiten, Einkäufe und Wäsche?

  • Funktionieren Hilfsmittel und wurden sie verständlich erklärt?

  • Kann die pflegebedürftige Person Kontakte selbst erreichen?

  • Sind Angehörige mit ihren Aufgaben zeitlich und fachlich nicht überfordert?

Wenn der Bedarf größer ist als angenommen, warten Sie nicht bis zum nächsten regulären Termin. Kliniksozialdienst, Pflegeberatung, Pflegekasse oder weiterbehandelnde Praxis können je nach Thema die richtige Stelle sein.

Tag drei: Übergang in eine tragfähige Routine

Am dritten Tag sollte aus dem provisorischen Entlassplan eine übersichtliche Wochenstruktur werden. Tragen Sie Termine, Besuchszeiten und Verantwortlichkeiten in einen gemeinsamen Plan ein. Bestimmen Sie eine Person, die offene Punkte sammelt, damit nicht mehrere Angehörige parallel dieselben Stellen anrufen.

Prüfen Sie außerdem, ob ein längerfristiger Pflegebedarf wahrscheinlich ist. Dann kann ein Antrag auf Pflegegrad oder bei einem bereits bestehenden Pflegegrad eine Prüfung des veränderten Bedarfs sinnvoll sein. Der Sozialdienst und die Pflegeberatung können beim Vorgehen unterstützen. Für den späteren Termin hilft die Checkliste zur Vorbereitung auf die Pflegebegutachtung.

Aufgaben klar verteilen

Eine einfache Zuständigkeitsliste verhindert Lücken:

  • Medizinische Rückfragen: zuständige Praxis oder Klinik nach Entlasshinweis

  • Behandlungspflege: nur entsprechend Verordnung und durch geeignete Personen

  • Hilfsmittel: Lieferant, Krankenkasse und ein familiärer Ansprechpartner

  • Alltag: Mahlzeiten, Haushalt, Begleitung und Einkäufe verbindlich einplanen

  • Dokumentation: eine aktuelle Mappe statt vieler einzelner Nachrichten

Typische Versorgungslücken vermeiden

  • Entlassung, bevor Hilfsmittel oder häusliche Unterstützung bestätigt sind

  • alter und neuer Medikationsplan liegen gleichzeitig sichtbar aus

  • Folgetermine werden nur mündlich genannt

  • Angehörige übernehmen ungeklärte fachliche Aufgaben

  • niemand ist für Rückfragen und Terminabgleich zuständig

  • ein längerfristiger Pflegebedarf wird erst nach Wochen thematisiert

72-Stunden-Checkliste

  • Entlassmappe vollständig und verständlich

  • Aktueller Medikationsplan eindeutig

  • Medikamente, Verordnungen und Hilfsmittel für den Übergang vorhanden

  • Weiterbehandelnde Praxis und wichtige Kontakte informiert

  • Pflegedienst oder häusliche Krankenpflege bestätigt

  • Wohnung sicher vorbereitet

  • Mahlzeiten, Einkauf und Begleitung organisiert

  • Warnzeichen und vereinbarte Kontaktwege aus den Entlasshinweisen bekannt

  • Aufgaben für die kommende Woche verteilt

  • Langfristigen Unterstützungsbedarf geprüft

Fazit

Die ersten 72 Stunden nach dem Krankenhaus gelingen besser, wenn Unterlagen, Medikamente, Kontakte und Alltagshilfe als ein gemeinsamer Übergang geplant werden. Klären Sie offene Punkte möglichst vor der Entlassung und prüfen Sie nach jeder Nacht, ob die organisierte Hilfe wirklich ausreicht. Weitere Checklisten finden Sie im Pflege-Ratgeber von Vital Haushaltshilfe.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle medizinische, pflegerische oder rechtliche Beratung. Maßgeblich sind die persönlichen Entlasshinweise und fachlichen Anordnungen.

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